
Ein Rückblick auf unseren Fachtag Schutzkonzepte im Februar 2026














Mit knapp 300 Teilnehmenden aus ganz Baden-Württemberg war der zweite Fachtag des Projekts „Kinderschutz in Baden-Württemberg (KiSchuBW)“ ein voller Erfolg. Vertreter*innen aus Politik und Verwaltung, Jugendämtern, Verbänden, Vereinen und Prävention nutzten die Veranstaltung, um sich zu informieren, auszutauschen und gemeinsam Impulse für die Weiterentwicklung von Schutzkonzepten zu setzen. Ziel des vom Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg geförderten Projekts ist es, Vereine als sichere Orte für Kinder und Jugendliche zu stärken und Schutzkonzepte nachhaltig zu verankern.
In ihrem Grußwort betonte Dr. Ute Leidig, Staatssekretärin im Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg, die gesellschaftliche Verantwortung, Kinder und Jugendliche wirksam vor Gewalt zu schützen. Sie hob hervor, dass Schutzkonzepte nicht als formale Pflichtaufgabe verstanden werden dürfen, sondern als kontinuierlicher Prozess, der Haltung, klare Strukturen und verbindliche Umsetzung erfordert. Gleichzeitig würdigte sie das Engagement der Vereine und Verbände sowie die Arbeit des Kinderschutzbundes im Rahmen des Projekts KiSchuBW.
Einen zentralen fachlichen Impuls setzte Prof. Dr. Jörg M. Fegert, Ärztlicher Direktor am Universitätsklinikum Ulm. In seinem Vortrag „Vom Schutzkonzept zum Schutzprozess“ verdeutlichte er, dass Schutzkonzepte nur dann wirksam sind, wenn sie als lebendige Prozesse verstanden und regelmäßig weiterentwickelt werden.Besonders eindrücklich stellte er dar, wie digitale Räume neue Herausforderungen für den Kinderschutz mit sich bringen – gleichzeitig, aber auch neue Möglichkeiten eröffnen. Digitale Kommunikation, soziale Medien und Online-Angebote von Vereinen erforderten klare Regeln, Sensibilisierung und fachliche Begleitung. Schutzprozesse müssten deshalb analoge und digitale Lebenswelten gleichermaßen berücksichtigen.
Wichtige Einblicke in die praktische Umsetzung lieferte das Team von Univation – Institut für Evaluation. Dr. Susanne Mäder und Katharina Klockgether präsentierten Ergebnisse aus dem Förderprogramm „Präventiv handeln, Schutzkonzepte leben“.Die Evaluation zeigte deutlich: Erfolgreiche Schutzkonzeptarbeit braucht eine klare Leitungsunterstützung, verbindliche Zuständigkeiten, Beteiligung von Kindern und Jugendlichen sowie ausreichend zeitliche Ressourcen. Gleichzeitig wurden typische Herausforderungen sichtbar – etwa Unsicherheiten im Umgang mit Risiken, unterschiedliche Ausgangsbedingungen in Vereinen oder die Frage nach nachhaltiger Verankerung.
Auf dem Fachtag wurden erstmals landesweite Qualitätskriterien für die Entwicklung und Umsetzung von Schutzkonzepten in Vereinen und Jugendverbänden vorgestellt. Erarbeitet wurden die Qualitätskriterien in einem breit angelegten Fachprozess im Rahmen des Runden Tisches KiSchuBW. Die Qualitätskriterien werden von zahlreichen Organisationen auf Landesebene mitgetragen und ausdrücklich unterstützt.
Neben den Fachvorträgen bot der Fachtag vielfältige Möglichkeiten zum Austausch – sei es beim Brezelfrühstück, in der Fachausstellung oder in den vertiefenden Foren am Nachmittag. Die hohe Beteiligung und die engagierten Diskussionen zeigten, dass Kinderschutz in Vereinen in Baden-Württemberg zunehmend als gemeinsame Aufgabe verstanden wird.Der zweite Fachtag „KiSchuBW“ hat eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie wichtig Vernetzung, fachliche Impulse und politische Unterstützung für die nachhaltige Verankerung von Schutzkonzepten sind. Das große Interesse und die breite fachliche Beteiligung machen Mut für die weitere Projektarbeit.